Als die Europäische Union beschloss, zugunsten eines verstärkten Umweltschutzes den Schadstoffausstoß von Kraftfahrzeugen mittels eines neuartigen Biokraftstoffes zu verringern, war das Chaos und die Verunsicherung, die sich für die Fahrzeughalter daraus ergeben sollten, noch nicht abzusehen. Unklare Angaben über die Verwendbarkeit insbesondere für ältere Automodelle ließen die meisten Autofahrer von dem neuen Sprit eher Abstand nehmen, zumal ein preislicher Unterschied zu herkömmlichem Benzin nicht besteht. So bleiben bislang die Tankstellen auf dem neuen Kraftstoff sitzen.
Während im benachbarten Deutschland die Einführung des Biokraftstoffs E10 mangels Abnehmer fast schon als gescheitert angesehen werden kann, wird in Österreich noch fieberhaft an einer intelligenten Umsetzung gearbeitet. Geplant ist die Einführung zwar weiterhin für Herbst 2012, doch bislang ist es zu keiner Einigung gekommen. Umweltminister Nikolaus Berlakovich schiebt die Probleme, die sich mit E10 in Deutschland ergeben haben, auf reine Kommunikationsprobleme, die es in Österreich zu vermeiden gilt. Ferner sei er auf eine rein inländische Produktion erpicht. Unterstützt wird er dabei von den österreichischen Landwirten, die sich dadurch zwangsläufig die Erschließung einer neuen Einnahmequelle versprechen.
Eine gegensätzliche Ansicht vertritt die SPÖ. Infrastrukturministerin Dolores Bures äußerte sich dergestalt, dass Lebensmittel nicht in den Tank gehören. Der ÖAMTC warnte vor höheren Spritpreisen und schlug vor, zum Ausgleich das Steuersystem entsprechend zu ändern. Vom VCÖ werden obendrein Studien zugrunde gelegt, die beweisen sollen, dass der angeblich so saubere Biosprit noch mehr zur Umweltverschmutzung beiträgt als normaler Kraftstoff.
Eine besonders wichtige Information für die Endverbraucher gibt darüber hinaus der ADAC: Sollten Schäden aufgrund von Unverträglichkeit des Treibstoffs in verschiedenen Fahrzeugen auftreten, so kommt der Halter allein dafür auf. Und wenn in Österreich die gleichen Zurückhaltungen wie in Deutschland erfolgen, werden die dadurch entstehenden höheren Lagerkosten vermutlich auf den normalen Sprit aufgeschlagen. Dies bedeutet für den Endverbraucher wiederum höhere Benzinpreise. Es bleibt daher zu hoffen, dass die vom Umweltminister angesprochenen Kommunikationsprobleme gar nicht erst entstehen und eine für alle Beteiligten akzeptable Einigung bald erfolgt.
Es gibt übrigens auch eine Alternative zu Super-E10: Erdgas. Generell gilt Erdgas als günstige Energiequelle. In vielen Haushalten wird günstiges Erdgas als Strom- und Wärmequelle eingesetzt. Auf der Straße findet man aber nur selten Erdgasautos.
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